Den roten Faden durch die Ausstellung bilden Schmuckstücke, Waffen und Gaben aus den Ausgrabungsstätten. Die Ausstellung besteht aus fünf chronologischen Hauptbereichen:
«A la croisée des cultures» beschreibt Sitten im Jahr 2016 – eine Stadt, in der zahlreiche Konfessionsgemeinschaften (die römisch-katholische Gemeinschaft, die reformierte Kirche, die orthodoxen Kirchen sowie die muslimischen Gemeinschaften) Seite an Seite leben. Erstaunlicherweise erinnert diese Situation der religiösen Pluralität mit einem Zeitabstand von 2‘000 Jahren an das Wallis der Römerzeit, wo die offizielle Religion (die Kultur des Kaisers) neben orientalischen Religionen und der Verehrung einheimischer Gottheiten praktiziert wurde.
«Sous le signe de la croix» führt uns in die Anfangszeit des Christentums im 4. Jahrhundert zurück. Exponate, die von dieser Zeit zeugen, sind ein Sargdeckel aus dem 17. Jahrhundert sowie verschiedene in den mittelalterlichen Gräbern gefundene Objekte: Rosenkränze, Münzen und Gürtelteile.
«A l’ombre de Rome» beschreibt die in Sitten gebräuchlichen Riten zu der Zeit, als das Wallis eine Provinz des Römischen Reiches war: Behälter für das Leichenmahl sowie Teile von Tonfiguren, die zur Asche der Verstorbenen gelegt wurden und die einen Einblick in den
damaligen Wohlstand der Sittener Bevölkerung bieten.
«Aux temps des Celtes» deckt das erste Jahrtausend v. Chr. ab und umfasst imposante Kriegsausrüstung sowie kostbare Ketten von Frauen, die dem Stamm der Seduner angehörten. Ebenfalls zu sehen sind einige der schönsten Schmuckstücke aus Gold und Bronze, die in der Nekropole von Don Bosco, einer der bedeutendsten der Schweizer Alpen, gefunden wurden.
«Premiers témoins» führt uns in die Jungsteinzeit (4’700 bis 2’200 v. Chr.) zurück: Aus dieser Epoche stammen die berühmten Dolmen von Petit-Chasseur und ihre Stelen sowie Bildnisse von Klanchefs oder von als Götter verehrten Vorfahren. Letztere sind im Pénitencier in einem speziell ihnen zugedachten Raum ausgestellt. Man findet dort die in den grossen Grabstätten gefundenen Objekte, insbesondere die zweiältesten Schmuckstücke aus Gold und Silber des Kantons Wallis.
Die Vielfalt an Riten und der Reichtum an Objekten, die den Verstorbenen mitgegeben wurden, sind Zeugen der Unterschiedlichkeit der Glaubensvorstellungen und des Status der Person. Sie zeigen uns, dass der Tod seit der Urgeschichte vollständig in das soziale Leben integriert war, wobei das Umschwenken zwischen Begräbnis und Einäscherung im Laufe der Jahrtausende die Entwicklung der Todes und Jenseits-Konzepte kennzeichnet.
Aufwertung von aussergewöhnlichem Kulturgut
Die Ausstellung Gezähmter Tod fügt sich in das institutionsübergreifende Projekt « Sion 10’000 », das seit April gemeinsam von der Stadt Sitten, dem Tourismusbüro, der Kantonsarchäologie, der Walliser Archäologischen Gesellschaft, Mémoire 21, Sedunum Nostrum und den Walliser Kantonsmuseen durchgeführt wird. Ziel des Projekts ist die Sensibilisierung der Bevölkerung auf den Reichtum des archäologischen Kulturguts in der Schweiz und besonders in Sitten. Diese Veranstaltung dauert noch bis Ende August, die Ausstellung im Pénitencier bleibt jedoch bis zum Januar 2017 geöffnet.

