Nahe Ferne
«Das Fremde, das Andere steht im Zentrum des ethnologischen Interesses, doch kann dies auch in der eigenen Kultur gesucht und gefunden werden», erklärt Thomas Antonietti, Ethnologe, Konservator am Geschichtsmuseum Wallis und am Lötschentaler Museum sowie Kurator der Ausstellung. «Dies ist letztlich das Selbstverständnis der europäischen Ethnologie. Diese hat seit ihrer Etablierung als wissenschaftliche Disziplin Ende des 19. Jahrhunderts ein starkes Interesse am Wallis entwickelt. Die Geschichte der europäischen Ethnologie zeigt sich folglich auch in der ethnologischen Erforschung des Wallis.
Das Wallis als Forschungsterrain
«Es erstaunt kaum, dass das Wallis als erster Schweizer Kanton einen Überblick über seine ethnologischen Forschungen zeigt», fügt Thomas Antonietti an. «Kaum eine andere Schweizer Region kannte ein solches ethnologisches Interesse. Die Geschichte der Ethnologie im Wallis ist daher auch die Geschichte der europäischen Ethnologie sowie eine Chronik der Wahrnehmung des Wallis jenseits der Kantonsgrenzen.»
Ausstellung und Publikation werfen Fragen auf …
Die Ausstellung und die begleitende Publikation zeichnen die Geschichte dieser Disziplin und der entsprechenden Anschaffungen des Museums nach. Beide präsentieren die ethnologische Forschung zum Wallis im Überblick und werfen interessante Fragen auf: Warum interessierten sich die Ethnologen Ende des 19. Jahrhunderts nicht nur für exotische Urvölker, sondern auch für das Wallis und seine Bevölkerung? Auf welchen Wegen gelangten Ausstellungsgegenstände in die Museen? Nach welchen Kriterien wurden sie ausgewählt? Wer waren und wer
sind die Forscher und Sammler? Warum sammelten Volkskundler um 1900 im Wallis alte Steinlampen statt neue Industrieobjekte? Und warum passt ein mit Airbrush verzierter Motorradhelm aus dem Jahr 2004 in die Sammlung eines Museums?
… und liefern Antworten
Der Ausstellungsrundgang ist chronologisch angelegt. Er beginnt bei den Pionieren des späten 19. Jahrhunderts (Hedwig Anneler, Friedrich Gottlieb Stebler, Louis Courthion), präsentiert Studien von Ernest und Rose-Claire Schüle und Klaus Anderegg und schliesst mit Arbeiten junger Ethnologen von heute. Letztlich zeigen Publikation und Ausstellung auch, wie sehr die Wissenschaft Ethnologie zur Entstehung stereotyper Auffassungen des Wallis beigetragen hat.

